Sharon Lockhart | Noa Eshkol im TBA21–Augarten

22.11.12 bis 24.02.13

Sharon Lockhart | Noa Eshkol im TBA21–Augarten

„Sharon Lockhart | Noa Eshkol“, die zweite Ausstellung der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary in den neuen Ausstellungsräumen im Augarten, widmet sich der einzigartigen Begegnung mit der Arbeit der israelischen Tanzkomponistin, Theoretikerin und Künstlerin Noa Eshkol (1924–2007). Seit den 1990er Jahren hat die in Los Angeles lebende Künstlerin Sharon Lockhart (*1964) eine filmische und fotografische Praxis entwickelt, die sich der Aufzeichnung des Alltäglichen widmet. Ihre Protagonisten stammen vielfach aus Randgesellschaften, deren soziale Milieus starken Veränderungen ausgesetzt sind und die in Lockharts Arbeiten in ihren täglichen Rhythmen und Abläufen, über einen längeren Zeitraum und in intensiver und auch persönlicher Auseinandersetzung begleitet, fotografiert und gefilmt werden.
In „Sharon Lockhart | Noa Eshkol“ bringt Lockhart die außergewöhnliche Persönlichkeit Eshkols und deren innovative und intellektuelle Kreativität zum Vorschein, indem sie einen Korpus an Tanzkompositionen dokumentiert, sowie ein vielschichtiges Wissenssystem präsentiert. Die Ausstellung generiert sich aus einer Begegnung zwischen zwei Künstlerinnen, die die Natur künstlerischer Praxis, ihrer Bewahrung und Interpretation, sowie die Repräsentation von Raum, Zeit und Bewegung erkundet. Als solches arbeitet „Sharon Lockhart | Noa Eshkol“ mit Methoden der Neuinszenierung, Forschung, Rekonstruktion und performativen Darstellung, setzt aber gleichzeitig das performative Element der tänzerischen Verkörperung, sowie der Empathie und Beobachtung als Teil filmischer und fotografischer Strategien ein. Die zu sehenden Arbeiten sind Teil der TBA21-Sammlung.

Sharon Lockhart entdeckte das Archiv von Noa Eshkol in Holon – einer früheren Arbeiterstadt und heute Vorort von Tel Aviv – während einer Forschungsreise nach Israel 2008. Das Archiv beherbergt das intellektuelle wie materielle Erbe Eshkols und widmet sich der Bewahrung und Weiterentwicklung der Eshkol-Wachman Movement Notation (EWMN). Eshkol und Avraham Wachman entwickelten dieses Schriftsystem erstmals 1954 und revolutionierten damit Tanz- und Bewegungsnotation. EWMN schuf ein einheitliches System zur Notation von Bewegungen mittels Ziffern und einem minimalen Symbol-Alphabet, das TänzerInnen wie ChoreographInnen ein systematisiertes Werkzeug bot, Tänze zu komponieren und zu notieren, in ähnlicher Weise, wie Komponisten musikalische Partituren nutzen.

Die 5-Kanal Videoinstallation mit dem Titel „Five Dances and Nine Wall Carpets by Noa Eshol“ zeigt die fließenden und rhythmischen Bewegungen der Mitglieder der Eshkol Chamber Dance Group bei der Aufführung von fünf von Eshkol komponierten Tänzen: Duet, Fugue, Ländler, Walking und War Dance. Jeder dieser Tänze wird inmitten verschiedener Gruppierungen von Eshkols vielfarbigen Textilarbeiten – von ihr als „wall carpets“ bezeichnet – aufgeführt und in der Ausstellung auf ein rechteckiges Volumen projiziert, das Lockhart in Zusammenarbeit mit den Architekten Frank Escher und Ravi Gune Wardena entwarf.
Die Filminstallation „Four Exercises in Eshkol-Wachman Movement Notation System“ zeigt die Tänzerin Ruti Sela, eine der langjährigen Schülerinnen Eshkols.
Die Filme werden gemeinsam mit einer Serie von 22 Fotografien Lockharts präsentiert, die die „Models of Orbits in the System of Reference, Eshkol-Wachman Movement Notation System“ zeigen. Zusätzlich zu den Fotografien, Filmen und Wandteppichen präsentiert die Ausstellung Archivmaterial, sowie Dokumentation der Übertragung und Anwendung des Notations- Systems EWMN auf andere Forschungsfelder wie Biologie, Psychologie, Mathematik, Informationstechnologie und Kybernetik.

THYSSEN-BORNEMISZA ART CONTEMPORARY – AUGARTEN
Scherzergasse 1A, 1020 Wien
Österreich